Neues aus der KJS

Revierbericht zur Lockjagd auf die Rabenkrähe


Was vor ein paar Jahren mit einer zufälligen Begegnung an der Reviergrenze zwischen Enzen, Dürscheven und Ülpenich und der lockeren Absichtsbekundung “wir könnten ja mal revierübergreifend gemeinsam etwas für unser Niederwild tun” begann, hat sich zwischenzeitlich zu einer echten Jagdfreundschaft unter Gleichgesinnten entwickelt und ist mittlerweile eine feste Institution geworden.

In enger Abstimmung mit unseren Revierpächtern ziehen wir unterjährig (auch zur Freude der ortsansässigen Landwirte) gemeinschaftlich mit zwei bis sechs Schützen mit der Flinte zu Felde.

Wenn man bisher noch keine Berührungspunkte zur Krähenjagd gehabt hat und sich im Vorfeld unbedarft Videodokumentationen in Internet ansieht (Anmerkung: auf YouTube sind ein paar wirklich sehenswerte Beiträge online), könnte man angesicht der Komplexität des Unterfangens glatt geneigt sein, die Flinte noch vor dem ersten Reviergang ins Korn zu werfen?!

Unser Tipp:
nicht abschrecken lassen!
Auch diese Jagdform ist keine Rakentenwissenschaft.

Die gefühlt 1000 zwingend zu beachtenden “Experten-Tipps” und “Erfolgs-Ratschläge” der #Jagdfluencer-Community lassen sich für die Praxisumsetzung auf ein paar Grundspielregeln eingrenzen, um einerseits jagdlichen Erfolg und andererseits auch ein schönes Naturerlebnis zu haben, ohne eine kostenintensive Materialschlacht führen zu müssen.

Ob als Einzelansitz oder in der Gemeinschaft:
die Lockjagd aus dem Tarnschirm ist eine abwechslungsreiche Jagdmethode und hervorragend geeignet, Beute zu machen.

Wir nehmen euch heute zum ersten Ansitz der Saison mit ins Revier (Jagdzeit in NRW ist übrigens vom 01.08. bis zum 10.03.), gehen zuvor aber noch etwas ausführlicher auf den Hauptakteur des Tages ein…

Die Rabenkrähe ist eine der intelligentesten und anpassungsfähigsten Singvögel unserer Kulturlandschaft. Genau diese Eigenschaften machen den schwarzen Räuber in Niederwildrevieren zu einem ernstzunehmenden Prädator, der den Bruterfolg vieler bodennaher Tierarten stark beeinträchtigen kann.

Rabenkrähen sind opportunistische Allesfresser mit extrem scharfen Augen, hohem Lernvermögen und einer ausgeprägten Sozialstruktur. Die paarweise Jagd oder das Zusammenspiel im sog. “Junggesellenverband” mit Rollenteilung ist ein imposantes Naturschauspiel.

In Agrarlandschaften, in denen natürliche Deckung durch intensivierte Landwirtschaft oft fehlt, richten Krähen ihr Jagdverhalten besonders schädlich aus:

  • Sie suchen systematisch nach Nestern am Boden und in Hecken. Sie spüren Gelege von Niederwild wie Fasan, Rebhuhn und Feldhase aber auch jene von geschützten Wiesenbrütern auf und fressen bzw. zerstören deren Eier.
  • Geschlüpfte Küken von Bodenbrütern, aber auch neugeborene Feldhasen fallen der Rabenkrähe ebenfalls zum Opfer.
  • Neben den wildbiologischen Schäden (insbesondere bei Überpopulationen) sind auch die wirtschaftlichen Schäden mitunter immens. Getreidesaatgut und frische Keimlinge (z.B. Mais) zählen zum bevorzugten Fraß, wobei der Vogel nicht wirklich wählerisch ist. Das Aufpicken von Silageballen (Schimmelbildung im Futtermittel) sowie die Zerstörung von Sonderkulturflächen stellen weitere Ärgernisse für die Landwirtschaft dar. 

In der Zülpicher Börde fehlen natürliche Gegenspieler wie Habicht und Uhu in auskömmlicher Anzahl. Eine konsequente Bejagung ist insofern unabdingbar, um den Bestand auf ein halbwegs verträgliches Maß zu bringen oder zumindest punktuell eine temporäre Vergrämung zu erreichen.

Da wir der Rabenkrähe – wie vorstehend skizziert – eine gewisse Cleverness attestieren müssen, braucht es für die erfolgreiche Lockjagd neben einer gewissenhaften Vorbereitung vor allem gute Revierkenntnisse.

Praxiserprobte Tipps & Hinweise führen zum Ziel:

  • Der Tarnstand sollte sich nicht auf dem freien Feld, sondern am Böschungsrand, entlang von Hecken und Sträuchern oder am Aufwuchs der Feldfrüchte befinden und möglichst “näturlich” wirken, da die Krähen sehr gut äugen (ein bisschen Astwerk vor der Plane wirkt Wunder).
  • Auch die Schützen sollten sich bestmöglich tarnen und unauffällig verhalten; wird eine Krähe argwöhnisch ist der Rest der Truppe umgehend alarmiert und es erfolgen im schlechtesten Fall keine erneuten Anflüge…. der Jagdtag ist dann quasi gelaufen!
  • Beim Lockbild sind beflockte Attrappen das Mittel der Wahl.
  • Ca. 10 bis max. 20 Lockvögel im Abstand von ca. 8 bis max. 20m zum Tarnstand (Faustformel: ungefähr 1/2 Schrotschussdistanz) werden wahllos platziert (auf Spielereien wie Vogelkarussells etc. kann getrost verzichtet werden).
  • Eine Wächterkrähe (z.B. auf erhobener Baumposition) suggeriert dem anfliegenden Schwarm Sicherheit und schafft Vertrauen, was eine starke Lockwirkung entfaltet (dieser Effekt kann ggf. noch mit einem akustischen Krähen-Locker unterstützt werden).
  • Je nach Größe des Stands kann ein zweiter Schütze im Tarnstand untergebracht sein (Sicherheit ist dann von besonderer Bedeutung: Abstimmung und Festlegung der Schusskorridore sowie Schießdisziplin sind unabdingbar!).
  • Bei der Gemeinschaftsjagd mit mehr als zwei Personen hat es sich als zielführend herausgestellt, die einzelnen Stände mit ca. 30m Abstand entlang der designierten Flugrouten zu platzieren, um vorbeiziehende Schwärme mehrfach beschießen zu können.
  • Altkluge Ratschläge wie z.B. “Keine Zeugen hinterlassen!” indem jedweder anstreichende Vogel gestreckt wird, kann in der Kategorie Jägerlatein zu den Akten gelegt werden… das wird in der Praxis nicht gelingen! Das Hauptaugenmerk sollte auf der Abgabe einer sofort tötlichen Schrotgarbe liegen, weswegen von Schussdistanzen über 25m abzuraten ist (Credo: Waidgerechtigkeit vor Jagdstrecke!).
  • Wo wir schon beim Thema Schrot sind:
    Am zuverlässigsten fährt man mit der Verwendung der Schrotgröße 5 oder 6 (2,7mm bis 2,9mm) und einer klassischen Vorlage. Insbesondere im Spätherbst/Frühwinter ist das Gefieder recht stark. Bei zu kleinen Korngrößen (Trap- bzw. Skeet-Munition unter 2,5mm) besteht die Gefahr, dass sich das Tier unbeeindruckt zeigt.
  • Ob nun der morgendliche oder abendliche Ansitz zu besseren Ergebnissen führt, ist wohl eine Glaubensfrage, hängt definitiv aber von den konkreten Revierbedingungen vor Ort ab. In Hinblick auf die vorbereitende Organisation gilt: wer morgens locken will, sollte mit dem Aufbau des Lockbildes und dem Bezug des Standes allerspätestens zum Tagesanbruch schussbereit im Schirm sitzen, sonst ist die Aktion beendet, bevor man überhaupt in den ersten Anschlag gegangen ist! Beim abendlichen Ansitz verhält es sich genau andersherum: der Stand muss schussfertig bezogen sein, bevor die Schwärme aus dem Tagesquartier in Richtung der Schlafbäume aufbrechen.
  • Wo genau man sich im Revier platziert, lässt sich durch längerfristige Beobachtung des Zugverhaltens herausfinden, ist aber keine Garantie für Jagderfolg. An guten Tagen sind 6-8 Anflüge pro Stunde durchaus realistisch… dann kommt man mit dem Nachladen kaum hinterher. An anderen Tagen wiederum kann man froh sein, überhaupt ein paar Schüsse angetragen zu haben; aber auch diese Tage sind lohnenswert, wenn man den Blick mit der aufgehenden Sonne durchs Revier streifen lässt und sich an Feldhasen, Rebhühnern und vorbeiziehenden Greifvögeln erfreuen kann.

Getreu dem KJS Slogan“Mit Herz und Hand für Tiere und deren Lebensräume” möchten wir dafür werben, sich den Nutzwert des Prädatorenmanagements vor Augen zu führen und selbst vor Ort im heimischen Revier aktiv zu werden!

Wenn sich aus einer anfänglichen Schnapsidee eine revierübergreifende Zusammenarbeit entwickelt und eine ungezwungene Hegegemeinschaft etabliert, dann kann man mit Fug und Recht behaupten: Jagd verbindet!

Wenn Ihr Rückfragen zum Thema habt oder selbst einmal von eurer Revierarbeit berichten wollt, dann meldet euch gerne unter Presse@KJS-Euskirchen.de.

In diesem Sinne:
Waidmannsheil und gutes Gelingen beim Ausprobieren dieser abwechslungsreichen und dynamischen Jagdmethode mit der Flinte,
Sascha Scharmach
(Obmann für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

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